Medienstimmen - Im weissen Rössl
Neue Luzerner Zeitung
vom 16. September 2006
VON ROBERT KNOBEL
Wird Altdorf Operettenstadt?
Der Erfolg des «Weissen Rössl» macht Lust auf mehr: Im Altdorfer Tellspielhaus soll eine Operettentradition begründet werden. Und vielleicht gibts bald Musicals.
Eine Tradition des Musiktheaters will der Verein Forum Musikbühne Uri in Altdorf aufbauen. Die Operette «Im Weissen Rössl», die noch bis zum 25. September läuft, dient als Testlauf. Bereits jetzt ist jedoch klar, dass der Versuch bei Urner und Zentralschweizer Publikum äusserst erfolgreich ankommt. Die vier ersten Aufführungen waren immer praktisch ausverkauft, für die verbleibenden acht sind bereits 85 Prozent der Tickets weg. «Es läuft sehr, sehr gut. Wir sind überrascht», sagt Franz Pfister, Präsident des Forums Musikbühne Uri. Regisseur und Hauptdarsteller Alfred Pfeifer lässt es sich nicht nehmen, einen Teil des Erfolgs auf seine Inszenierung zurückzuführen: «Viele Operetten wurden durch verblödete Inszenierungen totgespielt. Bei uns hingegen ist ein Anwalt einfach ein Anwalt und kein grimassenschneidender Operettenanwalt. Man sollte über die Situationen lachen und nicht über die Person. Sonst macht man aus der Operette eine Operette.» Pfeifer glaubt zudem, dass man mit einem Stück wie dem «Weissen Rössl» ein Publikum anspreche, das gewöhnlich etwas vernachlässigt werde - nämlich die ältere Generation. Nach der geglückten Premiere dürfte einer dauerhaften Musiktheater-Tradition in Altdorf nichts mehr im Weg stehen. Geplant ist, alle zwei bis drei Jahre zu spielen. Die Werbung soll intensiviert werden, um auch ein Publikum ausserhalb der Zentralschweiz anzusprechen.
Theater Arth hilft mit
Doch werden damit nicht die etablierten Bühnen, beispielsweise in Sursee und insbesondere im nahen Arth, konkurrenziert? Zum Theater Arth pflege man ein unkompliziertes Verhältnis, sagt Franz Pfister: «Sie haben uns sogar gratis Material zur Verfügung gestellt.» Und Michael Schuler, musikalischer Leiter im Theater Arth, sagt: «Unser Theater lebt stark vom Traditionspublikum. Viele kommen, weil sie die Darsteller persönlich kennen.» Die neue Konkurrenz sei für ihn daher nicht störend, eher anregend. «Wenn alle gutes Theater machen, gibts keine Konkurrenz», findet auch Alfred Pfeifer.
Auch Musicals denkbar
Der «Rössl»-Regisseur sieht Altdorfs Zukunft eher darin, Nischen zu besetzen: «Es muss nicht immer eine Operette sein. Wir könnten auch mal ein Musical oder eine Barockoper aufführen.» Dass man etwas abseits vom Mainstream Erfolg haben kann, zeigt die aktuelle Produktion der Musikbühne Uri: Das «Weisse Rössl» ist zwar äusserst populär, wird aber sehr selten gespielt, weil das Urheberrecht noch nicht abgelaufen ist und die Veranstalter über 10 Prozent ihrer Einnahmen abliefern müssen. «Wir haben diese zusätzliche finanzielle Belastung bewusst auf uns genommen und uns gegen eine klassische Operette entschieden», sagt Franz Pfister.
Erste Operette seit 50 Jahren
Es wurde übrigens schon einmal versucht, Altdorf zur Operettenstadt zu machen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit einheimischen Mitwirkenden «Schwarzwaldmädel», «Vogelhändler» oder «Der schwarze Hecht» gespielt. Die Tradition währte allerdings nur kurz - seit 1956 wurde in Altdorf keine Operette mehr aufgeführt.
Urner Wochenblatt
vom 13. September 2006
Stefan Arnold (Auszüge): Die Operette ist zurück in Altdorf. Am vergangenen Sonntag feierte «Im Weissen Rössl» Premiere im Theater(uri). Und die «leichte Muse» hat den «Dornröschenschlaf» gut überstanden. Das Publikum bekam eine frische, mitreissende und ganz und gar nicht verschlafene Inszenierung zu sehen.
... es ist einer initiativen Gruppe von Operettenliebhaberinnen und -liebhabern (vereint im Forum Musikbühne Uri) zu verdanken, dass der «Dornröschenschlaf» der «leichten Muse» im Kanton Uri ein Ende fand.
Mit dem ohrwurmgespickten «Weissen Rössl» wurde zum Auftakt kein einfaches Werk gewählt. Die Inszenierung von Alfred Pfeifer, der gleichzeitig in einer Hauptrolle den liebeskranken Oberkellner Leopold Brandmeier spielt, darf als überaus gelungen bezeichnet werden. An originellen Einfällen mangelt es nicht. – Der Inhalt des «Weissen Rössls» kann als bekannt vorausgesetzt werden, und ist im Grunde auch Nebensache. Die Geschichte rund um den unglücklich in seine Chefin verliebten Leopold ist typische Operettenkost, die nach allerlei Irrungen und Wirrungen im sicheren Happy End mündet, genauso wie die übrigen Liebesgeschichten im Stück.
Die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller überzeugten bei der Premiere und begeisterten das Publikum. Alfred Pfeifer lässt wie einst Peter Alexander seinen Charme spielen, Barbara Pietrzak verkörpert die angeschmachtete Josefa Vogelhuber mit viel Temperament. Werner Biermeier scheint die Rolle des aufbrausenden Berliner Textilfabrikanten Wilhelm Gisecke auf den Leib geschrieben zu sein. Franziska Dahinden als Ottilie Giesecke und Jürg Peter als Rechtsanwalt Siedler erfreuten als Liebespaar genauso wie Franziska Hediger als lispelndes Klärchen und Felix Schenker als Sigismund Sülzheimer (mit Glatze und gewagter Leoparden-Badehose). Nicht vergessen darf man Roby Arnold (Professor Hinzelmann) und Madeleine Arnold (Piccolo Gustel). Für gute Stimmung auf der Bühne sorgten auch die Mitglieder des Jodlerklubs Seerose Flüelen sowie der Chor, zusammengesetzt aus Sängerinnen und Sängern aus verschiedenen Urner und Schwyzer Chören. Auch das Orchester unter der Leitung von Hanes Zwyssig trug seinen Teil zur gelungenen Premiere bei. Kein Wunder: Ein Blick in den Orchestergraben zeigt, dass auch hier nichts dem Zufall überlassen wurde. Hier wie auf der Bühne ergänzen sich Laien und Profis in vorzüglicher Weise. Mit einem grossen personellen und finanziellen Aufwand ist es dem Forum Musikbühne Uri gelungen, die Operette zurück in den Kanton Uri zu bringen. Der Mut wurde belohnt, die Vorstellungen waren schon vor der Premiere sehr gut ausgelastet, und wer sich das «Weisse Rössl» nicht entgehen lassen will, tut gut daran, schnell zu handeln. Es bleibt zu hoffen, dass es dem Verein gelingt, die Euphorie beizubehalten und die Operettentradition in Altdorf auch fortführen zu können.
Die Operette wird noch bis am 25. September aufgeführt. Tickets im Vorverkauf sind bei Tourist Info Uri (Telefon 041 872 01 70) erhältlich.
Nidwaldner Wochenblatt
vom 14. September 2006
Porträt von Antoinette Crawley, Jodlerin [245 KB]
Urner Zeitung, Luzerner Zeitung, Zentralschweiz
vom 11. September 2006
Hannes E. Müller (Auszüge): Vor ausverkauftem Haus fand gestern im theater (uri) die Premiere der Operette «Im Weissen Rössl» statt. Das Singspiel überzeugt mit Humor, mitreissender Musik und einem tollen Ensemble. Mit dem «Dornröschenschlaf» der Operette dürfte es in Uri seit gestern vorbei sein: Die Premiere von «Im Weissen Rössl» stiess auf ein begeistertes Publikum.
... vorbei sind die Zeiten, in denen die Operette der Vergessenheit angehörte: Mit der restlos ausverkauften Premiere von «Im Weissen Rössl» liessen Franziska Dahinden, Alfred Pfeifer, Hanes Zwyssig und der Verein Forum Musikbühne Uri die alte Tradition wieder aufleben. Die Inszenierung von Ralph Benatzkys mehrmals verfilmter, 1930 in Berlin uraufgeführter Operette besticht durch Melodienreichtum, Situationskomik, Plauderhumor und mitreissende Tanzrhythmen.
Grossen Anteil am Premierenerfolg hatte Regisseur Alfred Pfeifer, dessen Inszenierung nichts zu wünschen übrig liess. Von «göttlichen Längen» keine Rede: Tempogeladene Episoden, eindrucksvolle Massenszenen, aber auch besinnliche Momente gingen unter die Haut, und es erstaunte, wie souverän Regisseur Profis und Laien in dem Spiel vereinte. Die Operette wurde konsequent entstaubt und der heutigen Zeit angepasst, ohne dass es dabei je zum Stilbruch kam. Viele Gags erfreuten das Publikum, so etwa der blitzschnelle Umbau der Szenerie in einen Kuhstall, die Kofferträgerszene oder der handfeste Krach des Paares, das sich im «Weissen Rössl» auf Hochzeitsreise befindet.
Auf grössten Beifall stiessen die darstellerischen Leistungen. So brillierte Alfred Pfeifer nebst seiner Regietätigkeit sowohl stimmlich wie darstellerisch als Oberkellner Leopold. Ihm stand die «Rössl»-Wirtin Josefa Vogelhuber (Barbara Pietrzak) in nichts nach. Dass sich die beiden nach vielen Irrungen und Wirrungen doch noch in die Arme schliessen konnten, gefiel dem Premiere-Publikum. Natürlich gab es, wie in der Operette üblich, noch weitere glückliche Paare zu sehen: Ottilie Giesecke (Franziska Dahinden) und Otto Siedler (Jürg Peter) sowie das scheue und lispelnde Klärchen (Franziska Hediger) und Sigismund Sülzheimer (Felix Schenker). Köstlich auch der Berliner Wilhelm Giesecke mit der grossen Schnauze (Werner Biermeier) und der sympathische Professor Hinzelmann (Roby Arnold). Ein besonderes Lob gebührt der quirligen Madeleine Arnold als mimisch und darstellerisch kaum zu überbietendem Piccolo Gustl.
Das bis zum Limit geforderte Orchester, souverän vorbereitet und betreut von Hanes Zwyssig, hauchte den vielen spritzigen und melodisch eingängigen Melodien pulsierendes Leben ein und unterstützte die Sängerschar einfühlsam, sodass kleinere, wohl lampenfieberbedingte Unsicherheiten nicht gross ins Gewicht fielen und den guten Gesamteindruck nicht zu trüben vermochten. Dass die verschiedenen einheimischen Chöre nahezu perfekt agierten, war Franziska Dahinden zu verdanken, die auch als Regieassistentin Verantwortung übernommen hatte.
Judith Wirz schuf ein funktionales und gefälliges Bühnenbild. Fredy Burkhart setzte mit seinem technischen Team ihre Ideen optimal um und sorgte für einen wunderschönen optischen Rahmen. Zu gefallen vermochten auch die Kostüme von Beatrice Herger-Kieliger und Lee Wigands Choreografie. Das Publikum wusste es zu schätzen: Mit tosendem Applaus zollte es dem Ensemble den verdienten Tribut.